Am vergangenen Freitagvormittag fand der offizielle Spatenstich zur Sanierung des früheren Gasthauses mit Anbau zum Wohnhaus statt. Bis Ende 2026/Anfang 2027 soll das Bauvorhaben abgeschlossen sein. Doch zur war eine Hürde zu überwinden, bei der es um Sekunden ging.
Spatenstich vor der freigelegten Rückwand des ehemaligen Gasthofs „Kreuz“ in Biberach (von links): Fabian Brosamer (Rohbau Bauleiter), Philipp Storr (Leitung Baubetrieb), Anna Smithson (ehemalige Eigentümerin Gasthof „Kreuz“), Monika Eble, Bürgermeister Jonas Breig, Luca und Burkhard Isenmann.©Inka Kleinke-Bialy
Da der Gaststättenbetrieb wegen Corona-Pandemie und internen Schwierigkeiten nicht wie geplant weitergeführt werden konnte, hatte die Firmengruppe Orbau das zentral im Ort gelegene Areal vom Eigentümer-Ehepaar Smithson erworben. Dies rekapitulierte der Architekt Luca Isenmann, der gemeinsam mit seinem Vater Burkhard die Geschäftsführung des Zeller Familienunternehmens innehat.
Eine Kombination aus Wohnnutzung und medizinischer Versorgung führte zum Erhalt des altehrwürdigen Gasthofgebäudes und umfasst ein innovatives Gesamtkonzept mit drei Neubauten auf der Abrissfläche der Nebengebäude. Insgesamt entstehen 17 Zwei- bis Vier-Zimmerwohnungen, die Hälfte der Fläche ist bereits verkauft. Ein eingeschossiger Bau, in dem eine Arztpraxis untergebracht wird, fungiert als Bindeglied.
Parkproblem gelöst
Wichtiger Bestandteil des Konzepts war die Optimierung der Parkplatzsituation. Denn wegen dieser stand im Verlauf des Planungsprozesses der Erhalt des historischen Gasthausgebäudes zwischenzeitlich auf der Kippe. „Mit einer normalen Tiefgarageneinfahrt hätte man das ,Kreuz’ abbrechen müssen“, resümierte Luca Isenmann.
Dies zu verhindern gelang mithilfe eines Parklifts als Zugang zu den 22 Tiefgaragenstellplätzen. Hinzu kommen acht Kfz-Außenstellplätze. „Wir haben der Polizeibehörde nachweisen können, dass innerhalb von knapp fünf Sekunden vom Einbiegen eines Pkw in die Straße bis zum Eintreffen am Lift die Türen dank Funksender schon auf sind, so dass man direkt reinfahren kann, ohne einen Stau durch wartende Autos zu verursachen.“
Das Bestandsmauerwerk im Altbau Gasthof “Kreuz” bleibt im Erd- und Obergeschoss erhalten, das Dachgeschoss erhält eine vollständig neue Holzbaukonstruktion. Die künftig hier vorhandenen fünf Wohneinheiten werden mit per Wärmepumpe betriebener Fußbodenheizung ausgestattet und sind durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) förderbar.
Der Neubaubereich wird zwecks Raumklima-Optimierung in monolithischer Bauweise errichtet. Innovative „Klimadecken“ sorgen von der Zimmerdecke her je nach Bedarf für Strahlungswärme oder Kühlung. Eine Photovoltaik-Anlage unterstützt die Stromversorgung der Wärmepumpe.
Für weiteren Komfort sorgen eine Loggia in jeder Wohnung beziehungsweise angelegte Terrassen im Erdgeschoss. Der große Bestandsbaum vor dem Altbau bleibt erhalten, es gibt begrünte Flachdachflächen sowie einen Kinderspielplatz.
Bezahlbarer Wohnraum
Geschäftsführer Luca Isenmann bedankte sich bei der Gemeinde für die außergewöhnlich konstruktiv-kooperative und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Diesen Dank erwiderte Bürgermeister Jonas Breig. Zudem führte er aus: „Durch die Anbindung an den Bahnhof haben wir einen wahnsinnigen Druck auf dem Wohnungsmarkt.“ Von daher sei es gut, wenn – auch bezahlbarer – Wohnraum in der Ortsmitte entstehe.
Gleichzeitig gelte es jedoch darauf zu achten, dass die Gemeinde lebenswert bleibe. „Wenn alles zu Wohnraum wird, haben wir irgendwann kaum noch Aufenthaltsraum für das öffentliche Leben oder die Daseinsvorsorge“, erklärte das Ortsoberhaupt, warum der Gedanke geboren worden war, als Gemeinde eine Arztpraxis in dem Bauprojekt zu erwerben und somit die örtliche Entwicklung mitsteuern und entwickeln zu können. Mit drei Ärzten ist die Gemeinde bereits im Gespräch, weitere Interessenten sind willkommen.
Quelle: Offenburger Tageblatt – Bericht: Inka Kleinke-Bialy