Jahrelang gab es in der Kinzig-Vorstadt Diskussionen zwischen Orbau-Bauhof und Anwohnern in der Nachbarschaft. Ein vorhabenbezogener Bebauungsplan soll Abhilfe schaffen.
Gengenbach. Eine Wohnanlage mit 46 Wohnungen soll im Rahmen des Bebauungsplans “Am Winzerkeller” auf dem Bauhof der Firma Orbau in der Kinzig-Vorstadt entstehen. Seit der Inbetriebnahme des Bauhofs vor mehr als 30 Jahren gab es zwischen dem Bauhof und den Bewohnern der angrenzenden Nachbarwohnungen immer wieder Auseinandersetzungen und Diskussionen. Bewohner fühlten sich unter anderem durch laute Arbeiten oder Fahrzeuge gestört.
Zahlreiche Beschwerden gingen deshalb bei der Stadt ein. Weil sich der Bauhof allerdings auf einem eingeschränkten Gewerbegebiet befindet, waren die Beschwerden der Anwohner mehr oder weniger haltlos und wurden abgewiesen.
Das mit Wohnungen bebaute Nachbargelände ist ein ausgewiesenes Mischgebiet und wurde als reine Wohnbebauung genehmigt. Solch eine nachbarschaftliche Konstellation stellt allerdings hohe Anforderungen an den Lärmschutz, damit Anwohner nicht gestört werden.
Aufgrund dieser Vorgeschichte hat die Stadt Gengenbach in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Baldauf nun einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan entwickelt. Denn auch, wenn in einem Gewerbegebiet Wohnen nur sehr eingeschränkt zulässig ist, kann die Stadt damit für ein bestimmtes Projekt eine Wohnnutzung zulassen.
Ein guter Zug, sagt Burkhard Isenmann, Gesch.ftsführer der Firmengruppe Orbau. “Damit schlägt die Stadt den richtigen Weg ein und korrigiert eine nicht gerade beispielhafte Bauentwicklung.”
Jerome Amiguet vom Büro Baldauf erklärte, dass die bisherige Nutzung als Gewerbegebiet mit der geplanten Nutzung als Wohngebiet nicht vereinbar sei und er deshalb in jedem Fall einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan empfehle. Ein vorhabenbezogener Bebauungsplan betrifft vor allem einzelne Bauvorhaben, die schnell realisiert werden sollen. Investor und Stadt schließen zudem einen Durchführungsvertrag für eine maßgeschneiderte Umsetzung ab.
Dazu gehört, dass der Bauherr das Vorhaben innerhalb einer bestimmten Zeit realisiert und die Kosten für die Planung und die Erschließung trägt. Zudem müssen die Träger öffentlicher Belange und die Öffentlichkeit in einem Zeitraum von einem Monat angehört werden. Der Gemeinderat gab einstimmig grünes Licht für den neuen Weg.
Zuletzt hatte sich die Stadt Gengenbach 2023 mit dem Thema beschäftigt. Zu jener Zeit war noch ein Gebäude mit bis zu fünf Geschossen und 40 Wohnungen geplant. Dieter Halsinger (Grüne Liste) erkundigte sich nach weiteren Änderungen. Dagmar Lukert vom Bauamt erklärte: “Die Wohnungen werden vom Zuschnitt kleiner, weshalb nun 46 Wohnungen möglich sind. Außerdem wird ein ebenerdiges Parkhaus entstehen und keine Tiefgarage.” Insgesamt seien es in erster Linie gestalterische Änderungen.
Franzjosef Ahne (Freie Wähler) freute sich, dass das Vorhaben nun konkret wird: “Es geht voran. Je schneller, desto besser.”
Bericht von Maria Jürgens – Offenburger Tageblatt
